Anna Köferle

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Wir sind gerade aus London zurückgekehrt, wo wir der Initiative OpenCell geholfen haben, ihr erstes Container-Labor einzurichten.

Wie kam es dazu? Ungefähr vor einem Monat wurden wir von Helene Steiner kontaktiert, die gemeinsam mit Thomas Meany im Herzen von London Container-Infrastruktur für kleine Biotech-Startup-Unternehmen bereitstellen will. Geplant sind 10 Molekularbiologie-Labore, 20 Büros, 10 Studios, 4 Werkstätten, sowie 1 Lager.

“Ich hab gesehen, dass ihr Container-Labore bauen wollt. Wir hätten 10 Container hier in London, die wir zu Laboren umbauen wollen. Wärt ihr interessiert, für den ersten einen Raumplan zu entwerfen und diesen dann auch in die Realität umzusetzen?” meinte Helene zu uns. Natürlich sagten wir zu. Hier eröffnete sich nun endlich eine Möglichkeit einen Prototypen für unsere Laborbank zu bauen.

Wir trafen uns an zwei Wochenenden zu Workshops und verbrachten auch einige Abende mit Skype-Konferenzen und diskutierten die Anforderungen an den Raum. Der Raum ist 12 m lang und 2,2 m breit und muss sowohl Platz für 4 Personen, eine Spüle, -80°C und -20°C Gefrierschrank, Kühlschrank, chemischen Abzug, Biologisches Sicherheitskabinett, einen CO2-Inkubator für Zellkultur und einen Autoklave bieten.

Hier ist unser Raumplan:

Man betritt das Labor durch die Tür links und gelangt so in einen Vorraum, der durch eine Schiebetür vom Rest des Labores getrennt ist und Lagerfläche für persönliche Gegenstände, Platz für Labormäntel und den -80°C Gefrierschrank beinhaltet. Im Laborbereich befindet sich die Spüle links direkt nach dem Eingang, gefolgt vom chemischen Dunstabzug und den Kühl-/Gefrierschränken sowie dem CO2-Inkubator auf der gegenüberliegenden Seite. Die drei modularen Arbeitstische sind in den Raum gestellt, um nicht mit dem Rücken zum Fenster gewandt arbeiten zu müssen.
Am Kopfende des Labors befindet die Biologische Sicherheitsbank. Sie generiert einen Luftstrom, der die Arbeitsfläche steril hält und sollte nicht im Durchgangsbereich aufgestellt werden um die Luftzirkulation nicht zu stören. Hinter der Sicherheitsbank befindet sich der Autoklav, der nur am Ende des Arbeitstages zur Dekontamination des Abfalls genutzt wird.

Wir hatten also einen Entwurf.

Am 16. Mai flogen wir nach London um das Labor in die Realität umzusetzen. Ein kurzer Vortrag mit anschließender Führung für die Öffentlichkeit war für 21. Mai angesetzt. Wir hatten also nur 5 Tage Zeit um unsere Pläne umzusetzen.

So sah der Container bei unserer Ankunft aus:

Also begannen wir mit den Arbeiten:

Wir bauten zwei Raumteiler aus Holz und Hohlkammerplatten, konzentrierten uns dann auf unsere modularen Laborarbeitsbänke. Das Material für die Bänke wurde uns von Fundermax zur Verfügung gestellt. Es handelt sich um das Produkt “Max Compact Resistance²”, das extrem widerstandsfähig und chemikalienresistent ist. Außerdem sieht es in der Farbe birkenweiß mit den schwarzen Schnittkanten einfach toll aus. Vielen Dank an Fundermax! Danke auch an Building BloQs, für die Hilfe beim Zuschneiden der einzelnen Bauteile.

Hier unser fertiger Laborbank-Prototyp:

Am Abend des 21. Mai wurde die Öffentlichkeit zu einem kurzen Vortrag und einer Laborbesichtigung eingeladen. Wir stellten “Biotop” vor, präsentierten unsere Projekte und erläuterten die Ausstattung des Container-Labors.

Photos: Ralf Bliem, Anna Ritscher, Lukas Hutter, Anna Köferle, Andreas Körner

Zwei Filmemacher, Rhys Votano und Jan Stöckel, haben uns während der fünf Tage in London begleitet. Hier das Resultat:

Video: Rhys Votano, Jan Stöckel